Kurze Antwort: 2026 verändern sich p2p plattformen in mehreren Bereichen gleichzeitig. Neue Sekundärmärkte verbessern die Liquidität, die ECSPR-Regulierung verschärft Transparenzanforderungen, und die Abschaffung des Verlustverrechnungsdeckels in Deutschland macht die steuerliche Behandlung fairer. Wer diese Entwicklungen kennt, kann sein Portfolio gezielter ausrichten.
Regulatorische Veränderungen: ECSPR und nationale Umsetzung
Die europäische ECSPR-Verordnung (European Crowdfunding Service Providers Regulation), die seit November 2023 gilt, entfaltet 2026 ihre volle Wirkung. Viele p2p plattformen, die zuvor in einem regulatorischen Graubereich operierten, haben inzwischen die ECSPR-Lizenz beantragt oder erhalten. Was bedeutet das konkret für Anleger?
Erstens müssen lizenzierte Plattformen ein Basisinformationsblatt (Key Investor Information Document, KIID) für jeden Kredit oder jedes Portfolio bereitstellen. Zweitens gelten strengere Anforderungen an das Eigenkapital der Plattform. Drittens sind Regelungen zur Trennung von Anlegergeldern und Betriebsvermögen nun europaweit harmonisiert. Das senkt das Betrugsrisiko zwar nicht auf null, erhöht aber die Transparenz und Vergleichbarkeit.
Plattformen ohne ECSPR-Lizenz oder vergleichbare nationale Regulierung (wie die BaFin-Erlaubnis in Deutschland) operieren weiterhin, jedoch mit zunehmendem Druck der Aufsichtsbehörden. Anleger sollten dieses Kriterium bei der Plattformauswahl stärker gewichten als in früheren Jahren.
Sekundärmärkte: Neue Liquidität für Anleger
Ein bedeutender Trend 2026 ist die Erweiterung von Sekundärmärkten auf mehreren p2p plattformen. PeerBerry hat im Januar 2026 seinen kostenlosen Sekundärmarkt eingeführt, auf dem Kredite zum Restwert oder mit einem Abschlag von bis zu 50 Prozent verkauft werden können. Das ist ein erheblicher Fortschritt für eine Plattform, die zuvor keine Exitoption bot.
Mintos bietet bereits seit Jahren einen Sekundärmarkt an, hat ihn aber 2026 in der Benutzerfreundlichkeit weiter verbessert. Neu ist die Möglichkeit, Portfolios als Paket anzubieten, was die Verkaufsgeschwindigkeit in normalen Marktphasen erhöht.
Wichtig zu verstehen: Ein Sekundärmarkt garantiert keine Liquidität. Er funktioniert nur, wenn Käufer vorhanden sind. In Krisenzeiten, genau dann wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, bricht die Nachfrage ein. Der Sekundärmarkt ist also ein Liquiditätspuffer, kein Liquiditätsgarant.
Neue Produkttypen: Pools und Liquiditätspuffer
Mehrere Plattformen haben 2026 poolbasierte Produkte lanciert oder erweitert, die eine Alternative zu klassischen Einzelkrediten darstellen. Diese Produkte ähneln in ihrer Struktur einem Investmentfonds: Das Geld fließt in einen breit diversifizierten Kreditpool, und der Anleger erhält einen festen oder variablen Zinssatz.
Prominente Beispiele sind Bondora Go and Grow (6,75 Prozent, täglich verfügbar) und Monefit SmartSaver, das monatliche Auszahlungen bis zu 1.000 Euro ohne Voranmeldefrist erlaubt. Diese Produkte verzichten auf die Transparenz über einzelne Kredite, bieten dafür aber einfache Handhabung und bessere Liquidität.
Der Trend zeigt: Der Markt differenziert sich zwischen aktiven Anlegern, die individuelle Kredite analysieren wollen, und passiven Anlegern, die einfache Poolprodukte mit vordefinierten Renditen bevorzugen. Für Einsteiger sind Poolprodukte oft der sinnvollere Einstieg, da sie weniger Konfigurationsaufwand erfordern.
Steuerliche Verbesserungen für deutsche Anleger
Eine der bedeutendsten Änderungen für deutsche P2P-Anleger in 2026 ist die Abschaffung des umstrittenen Verlustverrechnungsdeckels. Bis 2025 durften Verluste aus Kreditausfällen auf P2P-Plattformen steuerlich nur bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Der darüber hinausgehende Verlust blieb als Verlustforderung auf die Folgejahre vorgetragen.
Diese Regelung wurde rückwirkend abgeschafft. Verluste aus nicht zurückgezahlten P2P-Krediten können nun unbegrenzt mit Zinserträgen, Dividenden und realisierten Kursgewinnen verrechnet werden. Das verbessert die steuerliche Attraktivität von P2P-Investments, besonders für Anleger mit größeren Portfolios oder in Jahren mit höheren Ausfallraten.
Gleichzeitig gilt seit 2026, dass inländische Plattformen die Abgeltungssteuer automatisch an das Finanzamt abführen müssen. Bei ausländischen Plattformen, zu denen die meisten P2P-Anbieter gehören, bleibt die Pflicht zur Eigendeklaration in der Anlage KAP.
Zinsniveau und Marktbedingungen 2026
Das Zinsniveau auf europäischen p2p plattformen ist 2026 leicht unter den Höchstständen von 2022 bis 2023, bleibt aber attraktiv. Durchschnittliche Zinssätze liegen je nach Plattform und Kredittyp zwischen 9 und 14 Prozent. Hintergrund ist das gesunkene allgemeine Zinsniveau in der Eurozone nach den Zinssenkungen der EZB ab 2024, das auch die Refinanzierungskosten der Originatoren gesenkt hat.
Für Anleger bedeutet das: Die goldene Ära der 15-Prozent-Zinsen ist vorerst vorbei, aber P2P-Renditen liegen weiterhin deutlich über Tagesgeld- und Festgeldzinsen. Die reale Netto-Rendite nach Ausfällen und Steuern bewegt sich bei gut diversifizierten Portfolios zwischen 5 und 8 Prozent, was gegenüber anderen festverzinslichen Anlagen konkurrenzfähig ist.
Was Anleger 2026 konkret beachten sollten
- ECSPR-Status prüfen: Nur in lizenzierte Plattformen investieren oder zumindest verstehen, warum eine Plattform (noch) keine Lizenz hat.
- Sekundärmarkt als Kriterium: Plattformen mit funktionierendem Sekundärmarkt bieten mehr Flexibilität in Krisenzeiten.
- Steuervorteil durch Verlustverrechnung nutzen: Ausfälle vergangener Jahre prüfen und rückwirkend gegebenenfalls neu deklarieren.
- Poolprodukte als Einstieg: Wer neu bei p2p plattformen ist, beginnt sinnvollerweise mit einem einfachen Poolprodukt, bevor er in Einzelkredite investiert.
- Plattformen regelmäßig auf Transparenz prüfen: Werden Statistiken aktualisiert? Werden Auszahlungen wie angekündigt verarbeitet?
Mehr zur konkreten Auswahl der richtigen Plattform lesen Sie in unserem großen P2P Plattformen Vergleich 2026.
FAQ
Welche P2P Plattform hat 2026 als erste den gebührenfreien Sekundärmarkt eingeführt?
PeerBerry hat im Januar 2026 einen gebührenfreien Sekundärmarkt eingeführt, auf dem Anteile an laufenden Krediten zum Restwert oder mit einem Abschlag von bis zu 50 Prozent verkauft werden können. Mintos bietet schon länger einen Sekundärmarkt, erhebt aber in manchen Transaktionskategorien geringe Gebühren. Die Konditionen ändern sich regelmäßig, daher lohnt sich ein direkter Blick auf die jeweilige Plattformseite.
Was bedeutet die Abschaffung des Verlustverrechnungsdeckels für mich konkret?
Wenn Sie in vergangenen Jahren Verluste aus P2P-Kreditausfällen hatten, die über 20.000 Euro lagen und steuerlich nicht vollständig berücksichtigt wurden, sollten Sie dies mit Ihrem Steuerberater besprechen. Die rückwirkende Abschaffung kann eine Nachberechnung und Steuererstattung ermöglichen. Ab sofort können alle zukünftigen P2P-Verluste unbegrenzt mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden, was den Steueraufwand in Schlechtjahren reduziert.
Lohnt es sich noch, 2026 in P2P Plattformen einzusteigen?
Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Die Rahmenbedingungen haben sich verbessert: mehr Regulierung, bessere Sekundärmärkte, fairere Steuerregeln. Gleichzeitig sind die Renditen etwas gesunken und das grundlegende Risikoprofil bleibt unverändert. Wer P2P als kleine Beimischung (5 bis 15 Prozent des liquiden Vermögens) betrachtet, einen langen Atem hat und bereit ist, sich jährlich um die Steuererklärung zu kümmern, findet 2026 gute Einstiegsbedingungen. Einen strukturierten Einstieg bietet unser Leitfaden zu P2P Erfahrungsberichten 2026.