Kurze Antwort: P2P Plattformen und ETF-Sparpläne sind keine direkten Konkurrenten, sondern ergänzen sich in einem gut diversifizierten Portfolio. ETFs sind liquider, steuerlich unkomplizierter und historisch weniger volatil. P2P Plattformen bieten kurzfristig höhere laufende Zinserträge, aber auch deutlich höhere Ausfallrisiken und geringere Liquidität. Welches Instrument passt, hängt vom Anlagehorizont und der Risikotoleranz ab.
Rendite: Welche Anlageform wirft mehr ab?
Die Frage nach der Rendite ist bei p2p plattformen und ETFs schwieriger zu beantworten als es scheint. Auf dem Papier erscheinen P2P-Zinsen verlockend: Viele Plattformen werben 2026 mit Zielrenditen zwischen 10 und 14 Prozent. Ein breit diversifizierter Welt-ETF wie ein MSCI-World-Produkt erzielte in den letzten 30 Jahren durchschnittlich rund 8 bis 9 Prozent pro Jahr, schwankte dabei jedoch erheblich.
Der entscheidende Unterschied: Die P2P-Rendite ist eine Brutto-Nominalrendite vor Ausfällen. Nach Abzug tatsächlicher Kreditausfälle von historisch 2 bis 8 Prozent, Plattformgebühren und Abgeltungssteuer sinkt die Nettorendite deutlich. Realistisch erzielte Renditen liegen bei 5 bis 8 Prozent netto, in guten Jahren auch darüber. ETF-Renditen sind ebenfalls nicht garantiert und unterliegen Marktschwankungen, aber die Ertragsquelle ist breiter diversifiziert.
Risikoprofil: Wo liegt der grundlegende Unterschied?
Risiken bei P2P Plattformen
- Kreditausfallrisiko: Einzelne Kreditnehmer können zahlungsunfähig werden. Bei breiter Streuung über viele Kredite bleibt das Gesamtportfolio stabiler, aber das Risiko ist nicht eliminierbar.
- Plattformrisiko: Geht die Plattform selbst insolvent, sind Verzögerungen und Verluste möglich, auch wenn die Forderungen rechtlich getrennt sind.
- Originator-Risiko: Bei vermittelten Krediten trägt der Originator das Kreditrisiko. Fällt dieser aus, verliert auch der Rückkaufrückhalt seine Grundlage.
- Regulatorisches Risiko: P2P-Plattformen unterliegen unterschiedlichen Aufsichtsregimen. Änderungen können den Betrieb einschränken.
Risiken bei ETF-Sparplänen
- Marktrisiko: ETFs können in Krisen 30 bis 50 Prozent an Wert verlieren, erholen sich aber historisch langfristig.
- Währungsrisiko: Bei global investierenden ETFs entsteht Fremdwährungsexposure, das sich positiv oder negativ auswirken kann.
- Emittentenrisiko: Sehr gering bei physisch replizierenden ETFs großer Anbieter.
Liquidität: Wann kommt das Geld zurück?
ETF-Anteile können an Handelstagen in der Regel innerhalb von Sekunden verkauft werden. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber p2p plattformen. Auf P2P-Plattformen mit Sekundärmarkt (wie Mintos oder PeerBerry seit Januar 2026) können Anteile zwar verkauft werden, aber häufig nur mit Abschlag und nur wenn ein Käufer vorhanden ist. Ohne Sekundärmarkt sind Sie bis zum Ende der Kreditlaufzeit gebunden, die bei manchen Produkten 24 bis 36 Monate beträgt.
Ein Sonderfall ist Bondora Go and Grow, das tägliche Liquidität bei 6,75 Prozent Zielrendite bietet. Das ist eher ein Liquiditätspuffer als ein klassisches P2P-Investment.
Steuerliche Behandlung im Vergleich
Beide Anlageformen unterliegen der deutschen Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Der entscheidende Unterschied liegt im Detail. Bei ETFs mit Thesaurierung (Reinvestition von Dividenden) gilt seit 2018 die Vorabpauschale. Bei P2P-Zinsen ist jede eingehende Zahlung sofort steuerpflichtig, auch wenn sie automatisch reinvestiert wird.
Ein weiterer Unterschied: Verluste aus ETF-Verkäufen können mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen verrechnet werden. P2P-Verluste (zum Beispiel durch Kreditausfälle) können seit der Abschaffung des 20.000-Euro-Deckels 2026 nun ebenfalls unbeschränkt mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden, was die steuerliche Behandlung deutlich verbessert hat.
Praxisbeispiel: 10.000 Euro aufgeteilt
Viele erfahrene Anleger kombinieren beide Instrumente. Eine verbreitete Aufteilung bei einem Gesamtvermögen von 50.000 Euro sieht so aus: 35.000 Euro in einem globalen ETF-Sparplan als langfristiger Kapitalaufbau, 10.000 Euro in zwei bis drei p2p plattformen für laufende Zinserträge, und 5.000 Euro in Tagesgeld als Liquiditätsreserve. Die P2P-Quote von 20 Prozent ist dabei bewusst gewählt: hoch genug, um die Rendite spürbar zu steigern, aber begrenzt genug, um einen möglichen Totalverlust des P2P-Anteils verkraften zu können.
Wichtig: Diese Aufteilung ist keine Anlageberatung, sondern ein Erfahrungswert aus unserer Community. Ihre individuelle Situation, Ihr Anlagehorizont und Ihre Risikotoleranz können eine ganz andere Gewichtung sinnvoll machen.
Wer sollte was wählen?
Ein ETF-Sparplan eignet sich für Anleger mit einem langen Horizont von mindestens zehn Jahren, die keine laufenden Ausschüttungen benötigen und Kursschwankungen emotional ertragen können. P2P Plattformen passen besser zu Anlegern, die regelmäßige Zinserträge wollen, einen mittleren Horizont von zwei bis fünf Jahren haben und bereit sind, sich aktiver mit ihrer Anlage zu beschäftigen. Für absolute Einsteiger empfehlen wir, zuerst den ETF-Sparplan zu starten und p2p plattformen erst dann beizumischen, wenn das Grundprinzip von Zinsen, Ausfällen und Steuern verstanden ist. Einen guten Einstieg bietet unser Leitfaden zu P2P Plattformen für Einsteiger 2026.
FAQ
Können ETF und P2P im selben Depot gehalten werden?
ETF-Anteile werden in einem regulierten Wertpapierdepot gehalten, zum Beispiel bei einer Direktbank. P2P-Investitionen hingegen laufen direkt über das Konto der jeweiligen Plattform, nicht über ein klassisches Depot. Sie sind also in der Regel getrennte Konten, die in Ihrer eigenen Buchführung zusammengeführt werden müssen.
Was ist besser für ein kleines Budget unter 5.000 Euro?
Bei kleinen Beträgen empfehlen viele Finanzredakteure, mit einem ETF-Sparplan zu beginnen, da die Kosten und der Aufwand überschaubar sind. P2P-Investitionen machen ab ca. 1.000 bis 2.000 Euro Sinn, da erst dann eine ausreichende Diversifikation über mindestens 50 bis 100 Kredite möglich ist.
Gibt es einen steuerlichen Vorteil für eine der Anlageformen?
Nein, grundsätzlich nicht. Beide unterliegen der Abgeltungssteuer und profitieren vom Sparerpauschbetrag. Ein praktischer Unterschied: Bei deutschen ETF-Brokern wird die Steuer automatisch einbehalten. Bei ausländischen P2P-Plattformen ist die Selbstdeklaration in der Anlage KAP erforderlich. Lesen Sie dazu unsere Übersicht zu Steuern und Verlustdeklaration bei P2P Krediten.